Konzertbericht Hermann Posch & Harry Pierron

Hermann Posch´s Acoustic Music Line im Tratelier Stockerau                                                             

mit Harry Pierron am 27.3.2015

Man kann Hermann zu seiner Idee gratulieren, im Tratelier Stockerau eine akustische Bluesreihe zu etablieren. Nachdem am 27.2.2015 niemand geringerer als Mojo Blues Band Chef Erik Trauner sein Partner gewesen war, hatte er diesmal mit Harry Pierron am Akkordeon (auch bekannt als Senor Mario Adretti in der Chefpartie von Doktor Ostbahn) einen weiteren ausgezeichneten Mitstreiter eingeladen. Zwei weitere Termine sind schon fix geplant, nämlich Siggi Fassl (ebenfalls von der Mojo Blues Band) und David Gottfried Gfrerer, der als einer der besten Slidegitarristen Europas gilt.

Termine sind auf der Homepage des Tratelier zu finden: www.tratelier.at

Keyboarder Harry Pierron ist kein ausschließlicher Bluesmann, sondern ein universeller Musiker. Die Titel der aktuellen Posch CD/LP „Cold River Blues“ hat er sich eingehend angehört, damit ist es für ihn vom Start weg kein Problem, die passende Begleitung zu finden, neben Tremolos, Dreiklängen, Akkorden und hervorragenden Läufen sind auch überzeugende Chorusse von ihm zu hören; ein paar Mal spielt er sogar unisono mit Hermanns Gitarre. Das Akkordeon kann man nicht als ein typisches Bluesinstrument bezeichnen, aber mit Christian Dozzler und Lukas Kirschner hat man damit schon hervorragende Künstler erlebt. Harry hat sich ein neues, kleineres Gerät der Marke Roland zugelegt, weil „auf der großen Harmonika kann ich im Sitzen nicht drüber schauen ins Publikum“. Auffällig die kleine Diskantseite, die nur zwei Akkorde umfasst, im Gegensatz zur mächtigen Bassseite, die noch dazu kaum oder überhaupt nicht gespielt wird, den „die täte bei der Musik nur stören“ (Zitat Pierron); tatsächlich kommen die tiefen Töne aus der Gitarre Hermanns. Launige Ansagen und Geschichten hört man von Beiden, das zahlreich erschienene Publikum ist dankbar dafür.                                                                                                                       

Selbstverständlich hat Hermann als Wahlniederösterreicher so etwas wie Heimvorteil, es sind aber auch viele Leute gekommen, die ihn noch nicht oder nicht so gut kennen. Diesmal hat er drei akustische Gitarren mitgebracht, auf denen er abwechselnd spielt: eine „herkömmliche“, eine zwölfsaitige und eine „blecherne“; alle bearbeitet er mit Fingerpicks oder bloßen Fingern, zwei davon mit Slide. Er beginnt allein mit einem Van Morrison Titel, ruft danach aber sofort seinen Partner auf die Bühne, und die Titelnummer seiner aktuellen CD wird angestimmt.

Es gereicht dem „Kalten Bach“ zur Ehre, in einem Blues vorzukommen, zuvor war außer dem Mighty Mississippi noch kein Gewässer namentlich besungen worden. „River“ ist zwar übertrieben, aber das einsilbige „Creek“ wäre im Text nicht so gut unterzubringen gewesen.

Mit unter anderen „Love In Vain“, „Soul Of A Man“ und „Key To The Highway“, sowie dem Stones Titel „Dead Flowers“ hören wir eindrucksvolle Covers, aber auch viele Stücke aus Hermanns Feder, zum Teil auch solche, die er vor vielen Jahren schon mit seiner ersten Gruppe, der „Cold River Band“ gespielt hatte.                                                          

Der zweite Teil beginnt mit „How Can A Poor Man Stand…“ (Blind Alfred Reed 1929), der sich diesmal fast wie ein Tango anhört, ein eindrucksvoller Titel und ein nachdrücklich Hinweis darauf, dass es in den Depressionsjahren auch Nichtafroamerikanern schlecht gegangen ist. Nach anderen Liedern sagt er Lateinamerikanisches an, es wird „Blues In The City“. Das Programm geht bis zum Schluss abwechslungsreich weiter, als Zugaben gibt es noch den fetzigen „Back Water Blues“ und Woody Guthrie’s „Blowin’ Down The Road“, beide Lieder werden heftig beklatscht und bejubelt.                                                  

Es war eine sehr schöne, gelungene Veranstaltung, für die beste Sissi von allen und für mich eine willkommene Abwechslung nach den eher bluesrockigen Abenden beim Blues Spring.                            Auf die folgenden Akustikkonzerte darf man sich jetzt schon freuen!

PS: Jetzt muss ich Mario Adretti’s Heimatort „Alamore, Texas“ googeln und überprüfen, ob es diesen Ort überhaupt wirklich gibt.

Werner Simon