Nightlosers, 18.01.2015, Replugged

Werner Simon hat wieder einen Konzertbericht geschrieben, diesmal waren die Nightlosers zu Gast im Replugged in Wien!

Seit 1993 besteht diese rumänische Band, die amerikanische Musik (Blues, R&B, Country etc.) mit  ihrer eigenen Volksmusik verbindet bzw. mischt. „Transylvanian Blues“ nennen die Herren ihr Programm, und schon nach ein paar Takten merkt man, was damit gemeint ist. Ihre CDs hatte ich zuvor schon ausgiebig gehört, und im Net finden sich auch mehrere Beispiele, übrigens sehr gelungene Videos.

Alle sieben (!) Musiker sind perfekt auf ihren zahlreichen Instrumenten und übertragen den eigenen Spaß mühelos auf das Publikum.

Noch mehr als auf den Tonträgern ist der „Balkansound“ präsent, man hört aber auch ungarische („Gypsysound“) und sogar orientalische Einflüsse. Gespielt werden Bluescovers, die oft erst nach einiger Zeit als solche zu erkennen sind, alle in selbstgeschriebenen, eigenwilligen Arrangements. 

Es beginnt mit einem schnell gespielten „Built For Comfort“, gefolgt von „Shame, Shame, Shame“ (nicht der Smiley Lewis Titel) und Dave Dudley’s „Six Days On The Road“, das noch am ehesten der Originalversion folgt. „Everyday I Have The Blues“ kommt in rasendem Tempo, ebenso „Shake, Rattle And Roll“, purer Rock ‘n’ Roll mit zwei (!) Geigen und schwerem Afterbeat. Bei diesen beiden Titeln kommt als Gast noch „Nucu“ Pandrea dazu, der auf einem „Leaf“, „akustischen Vögeln“ und einigem Perkussionsgerät soliert. (NB: ungewöhnliche Musikinstrumente, mit denen Pandrea verschiedene Melodiefolgen wie Vogelgezwitscher, Panflöte, Gepfeife und ähnliches spielt. Im Blues absolut ungewöhnlich – sieht man von Winston Holmes im „Lost Lover Blues“ (1928) ab, bei dem ähnliche Effekte zu hören sind – ist dies in der rumänischen Musik vielleicht gebräuchlich; bei diesem Konzert ist es als Kuriosität ok, jedenfalls virtuos präsentiert und vom Publikum heftig akklamiert).

Vor der Pause hören wir noch „Hey Joe“ mit Ukulele (!) und den beiden Geigen, John Mayall’s „Room To Move“ mit Hanno Hoefer an der Mundharmonika im Duett mit einem der Geiger, einem immer schneller werdenden Finale und einer langen Coda. Es folgen mir nicht bekannte Volkslieder (?) mit csardasähnlichem Intro in Moll, das „Vogelpfeiferl“ wird wieder zur Panflöte, die Bridges aber sind purer Blues.

Nach der Pause wird es zunächst noch „exotischer“. Das erste Stück klingt nach einer Einleitung in Moll wie Carlos Santana, entpuppt sich aber als Otis Rush, wird zum Ende hin wieder immer schneller, bringt die zahlreichen Tänzer ins Schleudern und kehrt zuletzt zu Santana zurück. Zahlreiche Kuriositäten, auf die ich hier nicht näher eingehe, machen einen wesentlichen Teil des zweiten Teils aus.

Mit großer Spielfreude wird ein kabarettähnliches, augenzwinkerndes Programm abgeliefert, ein kleiner  Teil auch in rumänischer Sprache, fast immer aber doch mit bluesigem Touch. Erst die letzten paar Titel sind zu erkennen, alle wieder in “transylvanischen” Arrangements – “My Babe”, “One Scotch, One Bourbon, One Beer” (gespielt wie beschleunigter Ska), “Blue Suede Shoes” und als Zugabe “Hey Good Looking”.  

Es muss erwähnt werden, dass das Publikum zum weitaus überwiegenden Teil aus in Österreich lebenden Rumänen bestand, das die vertrauten, heimischen Klänge durchwegs genoss. Darauf angesprochen gab der deutschsprachige Hanno Hoefer gerne zu, dass Konzerte der Nightlosers üblicherweise weniger volksliedhaft präsentiert werden, und dass an diesem Abend Konzessionen an das vorwiegend rumänische Publikum in Wien gemacht wurden; die im Net zu sehenden Clips sind eher repräsentativ.

Abgesehen davon, dass ein paar Balladen nicht geschadet hätten, haben Sissi und ich diesen doch alternativen Abend sehr genossen; wenn die Nightlosers wieder kommen, gehen wir sicher wieder hin.   

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Werner Simon