Konzertbericht: The Tumblin´ Blues Band, 18.03.2017

The Tumblin´ Blues Band
Lousiana Blues Pub, 18. 3. 2017

Bereits zum vierten Mal (seit 2016) war dieser Tage die junge Blueserband aus Linz (korrekt: aus dem Mühlviertel) im ehrwürdigen Louisi auf der imaginären Bühne. Ein respektabler Teil der Hörerschaft fand sich, motiviert von der engagierten Frau Britta [hinter der Theke] und dem zusätzlichen Begehr, noch unbekannte Musiker zu erleben, im vertrauten Noch-Raucherlokal zusammen.  Der Lohn des Abends war für alle uneingeschränktes Musikvergnügen, Freude und ehrlicher Applaus für die Tumblin´s. Eine noch so junge – man neigt im Laufe der Erfahrungsjahre dazu, auch “unverbrauchte”  Gruppe zu sagen – zu hören und sehen, konnte zu Überraschungen bereit sein. Kaum einer der Musikliebhaber versagte sich bei einer Premiere dieser Art besondere Wachsamkeit und gesteigertes Kritikbestreben. Schon mit der ersten, einigermaßen jazzigen Nummer war die exakte, von Präzision getragene Spielweise ein herausstechendes Markenzeichen. Dieses Niveau hielt den ganzen langen Abend an.
Mögen manch alte Hasen der Hörerbranche anfänglich – gänzlich unberechtigt – Nervenpartikel der Band zum zierlichen Flattern angeregt haben, mit Beginn des zweiten Sets war ausgeflattert. Perfekt kuratierte Performance verlieh der Präsentation der Songs starke Einprägsamkeit, die das Publikum begierig nach der Musik dieser Fünf inhalierte. Der nach jedem Song konstante Applaus war keine übliche Geste, sondern der aufrichtige Dank des Publikums. Pauschal, an dieser Stelle: die Tumblin´s werden nicht nur ihren Weg machen, sie werden nicht nur eine stattliche Fangemeinde die ihre nennen können. Sie sind ja schon mitten in diesen so aufregenden Anfängen.
Da ist einmal der spezifische Blickfang Laura Poberer mit einer kraftvoll eingesetzten Stimme, reich an Modulationen mit der faszinierenden Stärke im dramatischen Moment, hinübergleitend in die gefühlstiefen Bluesregister. Aber, es ist eine beherrschte, klug geführte Naturstimme, wobei, jedenfalls bei diesem Auftritt, keine Sorge um die Vergeudung der Begabung aufkam. Nein, sie kann es einfach: nämlich der Stimme all jene Charaktere zu verleihen, die die mächtige Anziehungs- und Ausdruckskraft ausmachen.
Daniel Pichler an der Gitarre ist mit den anderen an den Geräten der Garant für eine dann und wann in der Branche schwächelnde Exaktheit des Spiels. Es macht schon was aus, wenn man den Heimweg antritt und immer noch der Frage nachhängt: “Hat wirklich keiner einen ,Fehler’gemacht?” Und das bei einer ganz fangfrischen Band? Ein ganz heftiger Punkt, der in der Beschreibung und Nachbetrachtung einen Leuchtpunkt einnimmt: Applaus den vier an ihren Geräten!! Daniel singt aber auch und versteht es, fast wie ein Bariton im dramatischen Fach, sein Können nicht nur aufblitzen, sondern in jedem Moment sich im Höhrerohr Respekt zu verschaffen. Blues hat eben auch seine strammen, ernsten, Nachdenklichkeit bewirkenden  Seiten.
Rene Naderer, im meist wahrgenommenen Eindruck der ruhende, sich streng beherrschende zweite Gitarrist und Sänger mit einer Stimmcharakteristik, die ob ihrer Breite durchaus auch mahnendes, dann und wann sogar bedrohliches Vibrieren als Stilmittel zur Verfügung hat. Im Gitarrespiel: exakt, punktgenau, jeder Ton sitzt. In seiner Gestik beherrscht, mehr Ruhe und Besonnenheit, die den Texten zugute kommt, vermittelnd.
Christian Schinnerl an der Bassgitarre steht einfach kompromißlos im Dienst des gesamten Klangkörpers, dazu auch seine diskrete, fast schüchterne Gestik bietet eben dieses Spektrum, das das Gesamtbild der Band um dieses wichtige Detail bereichert. Es macht eben die Harmonie der Bandpräsentation aus, daß Charakterzüge in Gestik und Gestion unverwechselbar das Gesamtbild bestimmen. Der Zuhörer ist nun einmal auch der Zuseher.

David Brunnbauer am Schlagzeug ist sofort einer jenes Jambres, die man besonders hoch schätzt: nie schmerzhaft hart oder laut, nie im Stillen des Verstummens untertauchend, einprägsame Momente setzend, wenn es die Dramaturgie des jeweiligen Songs braucht. Rhythmusexaktheit braucht jene Formation. Brunnbauer ist von Natur aus, so scheint´s, damit ausgestattet. Und gute, verläßliche, in ihrer Anpassungsfähigkeit hochwertige Drummer sind allemal gesucht und begehrt.
Bleibt noch ein Moment des Innehaltens beim Programm: Während im ersten Set (machte der Eindruck, als solle das Vermögen des Publikums, Musik in sich aufzunehmen, erkundet werden) Jazziges mit einem gewissen Überhang da war, erfogte mit den zweiten Set ein elanvolles, schwungreiches, wohl den Musikern auch etliches an Kraft abverlangendes Programm. Daraus zu einer modesten Skizze wenige Titel:
My Man (The Tumblin´ Blues Band), How Blues Can You Get (BB King), Baby, Ain´t Pleasin´ (The Tumblin´ Blues Band) Down The Highway (The Tumblin´ Blues Band), My Old Lady (The Tumblin´ Blues Band). Man beachte den Überhang an Eigenkompositionen. Es tat wahrlich immens wohl, wenig bis noch nicht Gekanntes zu hören, und das gleich auf einem ehrlichen, hohen Niveau! Dank und Glückwünsche!
Mit großen Erwartungen: Kommt bald wieder!!!

Hermann