Konzertbericht Fall in Blues, Haus der Musik, 07.04.2017 Hermann Harrauer

Fall in Blues Reunion

Haus der Musik, 7. 4. 2017

Der Blues Spring 2017 war der Rahmen für ein, wie sich herausstellte und wie es eigentlich zu erwarten war und gar nicht anders sein konnte, Spezialereignis mit einer Tragweite über das Bluesige hinaus.

Nach einer Unterbrechung von sieben Jahren standen Hermann Posch (Gitarre, Gesang), Hardy Auer (Drums), Paul Kozakiewicz (Bass)  und Tom Hornek (Keyboards, Piano) auf der Bühne hoch oben “unter dem Dach des Hauses der Musik”, so, als wäre die Lokalität symbolhaft für den Abend.

Was hat sich da doch auf der Bühne und im Zuhörerraum (er war g´steckt voll) getan! Ich habe aufgepaßt und kann nichts anderes, als auch diesen Punkt hervorheben, weil er nicht Alltagsqualität hat: Es gab keine Nummer ohne Applaus inmitten, Beifall, Klatschen während des jeweiligen Stückes. Das ist wahrlich nicht die Norm noch so vieler anderer Abende.

Unwiderlegbar: Die Hörer waren ausgehungert nach Posch und seine edelste Formation. Könnte man als gemäßigter Zweifler nicht frei von dem Verdacht sein, daß manches der Musik nicht mehr im Gedächtnis vorhanden war, da gab es keine Moment, der da auch nur ein Quentchen bestätigen könnte.

Das hatte wesentlich mit dem Programm zu tun. Schon nach den ersten drei Nummern “Black Bird” (interessant, daß man sich kurz an ein jüngeres “Black Train” erinnert fühlen konnte. Das Thema des “Black” paßt ja bestens in die Zeit; und als Zugabe dann nochmals Black Water Blues”), “Deep Water Blues” und “Missing You” wußte man sich bei einem Konzert vor etlichen Jahren. Doch die unfaßbar intensive Spielweise gepaart mit neuen Arrangements rückte das Neue der Band in den Focus des Abends, ohne die die Jahre überdauernde Erinnerung auslöschen oder übertünchen zu wollen: Kunst auf höchstem Niveau, präsentiert von gereiften Musikern. Das gilt für jeden einzelnen der Vier.

Die Verantwortungen für diese angesprochenen Veränderungen trugen einerseits die breit ausgelegten Soli, speziell mit Hermann Poschs Gitarren und dem E-Bass von Paul Kozakiewiscz, dessen punktgenau gesetzten “Zutaten” großen Anteil an der bunten Klangfarbe trugen. Hervorstechend und zugleich herausragend war die gesteigerte Gefühlsintensität, immer schon ein Markenzeichen Posch´scher Musikalität. Unvergleichlich und unvergeßlich im feinsten Pianissimo sich davoneilende Akkorde. Dieser Ausgeprägtkeit des “Falsett-Gesangs der Gitarre” (wenn diese Illegalität der Bildprägung zugelassen wird) standen harte, zugespitzt klingende Einfügungen des Piano. Man kann sie als störend empfinden. Jedoch war die Intension, auf eine höhere Höreranforderung hoffend, die Dualität in jenem Gedankengang, daß neben dem Sanften, Zarten, Weichen immer das Scharfe, Harte existiert. Das verlangt vom Zuhörer, der dies nun auch so hört und hören soll, eine höhere Bereitschaft, das Spektrum der gehörten Musik um eben diese Spezialität zu erweitern. Daß der kommune Hörer auf der Strecke bleiben kann, mag wohl nicht unbedacht bleiben.

Eine der Glanznummer, “Missing You” war das Meisterstück mit all den Aspekten des Neuen in der reuniierten Fall in Blues. Wenn man nun aber auch registriert, daß diese Nummer die dritte des Abends war, so sei nicht zu übersehen, welche Anforderungen an die Hörerschaft gestellt wurde: also kein Aufwärmen vertrauter, bekannter, gern gehörter Musik. Nein, es galt, auf die Neuerungen zu achten. Da steckt schon höchstes Können, gepaart mit Anspruch dahinter!

Die Eindrücke in ihrer Vielfalt können nur paradigmatisch thematisiert werden. So ist in Posch´s Eigenkomposition zu “Devil´s Woman” mit manch verhaltenem Schmunzeln auch ein gar nicht so kleines Molekül einer Beziehungsphilosophie mitverpackt. Wie: anhören!!!

“Yello Moon” formte die Band um in ein Paradestück komprimiertester Romantik, dessen Qualität dieser Präsentation am besten von Martina Defant kurz, knapp und präzise mit “Weltklasse” beschrieben wurde.

Überblickt man die Setliste mit ihren 21 Einzel, so sei ein Punkt hervorgehoben: Zu “Goin´ Down The Road” ist in der Rubrik “Ablauf” angemerkt: Cool bleiben.

Welche Gedankentiefe bildet da wohl die Stütze der Ausführung.

Daß auch die Performance eine Bereicherung erhielt, demonstriert einprägsamst der hervorragende Mann an den Drums, Hardy Auer, der – bislang noch nie gesehen – mit seinen “Staberln” seinen  Platz verließ und, streng auf den Rhythmus achtend, die Bühne durchwandernd die Trommelschläge mit einem kräftigen Auftreten auf den Holzboden miteinbezog, dies alles im Knien. Man darf´s Spielfreude nennen.

Musik wird ja in so unendlich vielen Aspekten Magisches zugeschrieben. Da kann ein Detailchen beigesteuert werden: 7 Jahre der Trennung. Das läßt andere 7-er nennen: 7 Tage der Woche, 2 x 7 Nothelfer, 7 Planeten , 7 Weltwunder, 7 Zwerge hinter 7 Bergen, die 7 Sinne, der 7-armige Leuchter, die 7 gegen Theben, die 7 Hügel Roms, Buch mit 7 Siegeln, die 7 Tugenden, die 7 Laster, im 7. Himmel sein, das verflixte 7. Ehejahr u.s.w.

Noch ein Satz: dies ist allesamt zusammen nichts weiter als ein kleiner Teil der erlebten, genossenen, in der Erinnerung geborgenen Musik eines Laien, dem das Erleben der Bluesmusik längst zum Leben mit der Musik geworden ist. Doch das alles ohne seriös-kompetentes Wissen um den Blues.

Hermann Harrauer