Christoph Schellhorn “Outnumbered – Live in Germany”

Christoph Schellhorn – „Outnumbered – Live in Germany“

Freeman – Box Of Chocolates – Just A Game Without You – Wannabe – Wishing Well -Slow Roll/Deja-Vu – The Road – The Paris Song – Tightrope Dance – The Bitter End -Among The Trees – Walking Blues – Trouble In Mind – Kufsteinlied

Diese vierte CD des Singer/Songwriters Christoph Schellhorn ist die erste, die live aufgenommen wurde. Abweichend von der üblichen Praxis, mehrere Konzerte einer Tour mitzuschneiden und davon die besten Versionen zu veröffentlichen, wurde die vorliegende Scheibe bei einem einzigen Konzert des Vereins bluenote e.V. in der „Kommisse“, Wolfenbüttel, eingespielt. Sechs Titel stammen von der ersten CD, sechs von der zweiten, der Rest von der dritten. „Among The Trees“ findet sich auf keiner seiner bisherigen Scheiben. Sechs Titel stammen aus der Feder Schellhorns, die anderen sind Coverversionen.

Als langjähriger Konsument sowohl der CDs als auch vieler Konzerte hat man natürlich alle Titel im Ohr, glaubt sie alle in- und auswendig zu kennen – aber halt, beim genauen Hinhören und Vergleich der Versionen gelangen doch Unterschiede ans Ohr, wenn auch vielfach nur in Nuancen.

Da ein anderes Tempo, Unterschiede bei einigen Gitarrensequenzen, da einmal mehr Hall etc.

Das instrumentale „Deja-Vu“ und „Slow Roll“ kommen als Medley, wie man es auch live schon gehört hat; „Paris Song“ singt er a capella – so hat man es noch nicht gehört.

Die Live-Atmosphäre wird gut eingefangen, Zwischenapplaus ist spärlich zu hören und stört daher nicht, die Akklamationen nach jedem Titel sind nicht übertrieben lang. Christophs oft launige Zwischenansagen wurden offenbar bewusst weggelassen.

„Trouble In Mind“ (eigentlich ein „no go“, aber in der Schellhornversion durchaus akzeptabel) und das „Kufsteinlied“ kommen als Zugaben. Direkt rührend, wie das Wolfenbütteler Publikum den Refrain mitjodelt und „bei uns in Tirol“ singt. „Bei uns in Wolfenbüttel“ hätte ja wohl auch kaum gepasst.

Davon ausgehend, dass er vom Mitschnitt Kenntnis hatte, kann man Christoph zu seiner souveränen, fehlerlosen Performance gratulieren. Viele, auch arrivierte Künstler neigen in dieser Situation zu hoher Nervosität. Davon ist auf dieser Scheibe nichts zu bemerken.

Die Spieldauer mit mehr als einer Stunde ist ok, obwohl es schwerfällt zu glauben, dass sich wirklich das ganze Konzert auf der CD befindet. Hinsichtlich der Technik hat Hans-Jörg Maucksch ganze Arbeit geleistet, auch audiophile Hörer werden zufrieden sein.

Wer die ersten drei CDs Christoph Schellhorns besitzt, wird die vorliegende auch haben wollen… wer noch keine besitzt, dem sei sie als Einstieg wärmstens empfohlen.

Werner Simon